In Österreich ist der Breitensport mehr als nur Bewegung – er ist ein kulturelles Phänomen, das Generationen verbindet und lokale Identität stärkt. Besonders seit der Gründung des Vereins *seven hier spielen* im Jahr 2015 hat sich das Konzept des Freizeitsports weiterentwickelt. Der Name selbst ist Programm: „seven“ steht für die sieben Grundprinzipien des Sports für alle – Fairness, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Teilhabe. Doch was hinter diesen Worten steckt, zeigt sich besonders in den Initiativen, die der Verein seit seiner Gründung umgesetzt hat.
Die Wurzeln des Vereins reichen bis in die 1990er-Jahre zurück, als in vielen österreichischen Gemeinden der Breitensport an Bedeutung gewann. Doch während in Ballungsräumen oft kommerzielle Strukturen dominierten, setzte sich in ländlichen Regionen ein Modell durch, das auf ehrenamtliche Betreuung und niedrigschwellige Angebote setzte. *seven hier spielen* bündelt diese Tradition mit moderner Organisationsweise: Statt klassischer Sportvereine mit festen Strukturen bietet der Verein flexible Gruppen, die sich nach Interessen und Altersgruppen richten. Besonders erfolgreich ist dabei das Konzept der „Spielgruppen“, bei denen Kinder und Erwachsene gemeinsam Fußball, Badminton oder sogar Streetball spielen – ohne Druck und mit Fokus auf Spaß.
Ein zentraler Erfolg des Vereins liegt in der Integration von Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen. Laut einer Umfrage der letzten Saison (2022/23) nehmen rund 65 Prozent der Teilnehmer:innen nicht nur aus der eigenen Gemeinde, sondern auch aus benachteiligten Stadtteilen teil. Besonders beliebt sind dabei die „Mobilitätsprojekte“, bei denen Gruppen aus verschiedenen Regionen zu Turnieren zusammenkommen. Ein konkretes Beispiel ist das „Tennistreff“ in Wien, wo seit 2020 mehr als 1.200 Personen in einem Jahr an offenen Trainings teilgenommen haben – darunter auch viele Erstzuzügler:innen aus anderen Bundesländern. Der Verein betont dabei immer wieder, dass Sport nicht nur Körper, sondern auch Gemeinschaft stärkt.
Doch der Verein geht noch einen Schritt weiter: Seit 2021 kooperiert *seven hier spielen* mit lokalen Schulen, um den Breitensport in den Unterricht zu integrieren. In Kooperation mit dem Bildungsministerium wurden „Sportklassen“ eingeführt, bei denen Schüler:innen in der Mittagspause aktiv werden – und das mit Erfolg. In einem Pilotprojekt in Graz nahmen 80 Prozent der Teilnehmenden nach dem Programm regelmäßig an Vereinsaktivitäten teil. Die Initiative zeigt, wie Sport als Brückenschlag zwischen Schule und Freizeit wirken kann.
- Seit 2015 hat der Verein über 50.000 Personen in seinen Gruppen erreicht.
- Die „Spielgruppen“-Konzeption wurde in drei Bundesländern als Modellvorlage übernommen.
- Im Jahr 2022/23 wurden über 1.500 lokale Turniere organisiert.
- Die meisten Teilnehmer:innen sind unter 25 Jahre alt (58 %), doch auch Senior:innen ab 60 nehmen aktiv teil.
- Der Verein setzt seit 2023 auf eine digitale Plattform, die lokale Angebote bundesweit sichtbar macht.
Doch was macht den Erfolg des Vereins aus? Ein zentraler Faktor ist die klare Botschaft: „Spielplatz für alle“ ist kein leeres Versprechen, sondern ein konkretes Konzept. Während andere Vereine oft auf hohe Teilnahmezahlen setzen, legt *seven hier spielen* Wert auf Qualität und Inklusion. Ein Beispiel ist das Projekt „Spaß statt Stress“, bei dem Kinder in einer speziellen Gruppe lernen, mit Druck umzugehen – und das mit Erfolg. Laut einer Studie der Universität Wien, die 2023 veröffentlicht wurde, zeigt sich, dass Teilnehmer:innen dieser Gruppe nach drei Monaten eine deutlich höhere Zufriedenheit mit ihrem Sportleben haben als in klassischen Gruppen.
Doch die Zukunft des Vereins steht vor neuen Herausforderungen. Während der Breitensport in Österreich weiter wächst, kämpfen viele lokale Initiativen mit fehlenden Mitteln und Personal. *seven hier spielen* reagiert darauf mit einer Mischung aus ehrenamtlicher Arbeit und strategischer Finanzierung. Seit 2023 setzt der Verein auf Partnerschaften mit lokalen Unternehmen, die durch Sponsoring die Kosten für Material und Infrastruktur abfedern. Gleichzeitig wird der Verein durch eine eigene Crowdfunding-Kampagne unterstützt, bei der seit Start über 100.000 Euro gesammelt wurden. Die Initiative zeigt, wie Sportvereine auch in Krisenzeiten überleben können – wenn sie ihre Werte klar kommunizieren und die Community mit einbinden.
seven hier spielen zeigt, dass Breitensport in Österreich mehr ist als nur Bewegung. Es ist ein Ort der Begegnung, der Gemeinschaft und der Teilhabe – und das in einer Zeit, in der viele Menschen nach neuen Wegen suchen, um sich zu verbinden. Der Verein beweist, dass Sport auch ohne große Infrastruktur funktionieren kann, wenn er auf echte Motivation und eine offene Haltung setzt. Vielleicht ist das die größte Lektion: Der beste Spielplatz ist nicht der mit den besten Anlagen, sondern der, der alle willkommen heißt – egal, woher sie kommen.


