Österreichs Wirtschaft wird von einer kleinen, aber mächtigen Elite geprägt – die Milliardäre. Während die meisten Menschen über Steuern, Arbeitslosigkeit oder die Zukunft der Industrie diskutieren, stecken dahinter oft die Entscheidungen weniger Personen. Doch wie genau wirken sich diese Milliardäre auf unser Land aus? Und warum ist ihr Einfluss so schwer greifbar – trotz ihrer finanziellen Macht? Ein Blick auf die Zahlen und die Strukturen zeigt, wie sie Österreichs Wirtschaft von oben steuern.
Wer sind diese Milliardäre und wie reich sind sie?
Die reichsten Österreicher gehören zu den Top-Unternehmern in der Finanzbranche, der Energie- und Industriewelt. Laut dem jüngsten Forbes-Report (2023) sind es vor allem Familienunternehmen, die durch strategische Investitionen und Mergers & Acquisitions (M&A) zu Milliardengesellschaften geworden sind. Der wohl bekannteste Fall ist die Voestalpine, die unter dem CEO Wolfgang Wagner zum größten Stahlkonzern Europas aufgestiegen ist – und dabei nicht nur Millionen in Österreich, sondern auch in China und den USA investiert. Doch auch in der Technologiebranche gibt es einige prägende Namen: Michael Untergasser von der Rakuten Austria hat mit seinem E-Commerce-Unternehmen nicht nur den österreichischen Online-Markt revolutioniert, sondern auch globale Expansionen vorangetrieben.
Doch die Reichsten sind nicht nur durch ihre Firmen, sondern auch durch ihre persönlichen Vermögen zu sehen. Laut Bloomberg Billionaires Index gehört der Erbe der Schwarzenberg-Familie mit rund 2,5 Milliarden Euro zu den Top-10 der reichsten Österreicher. Während sie in Immobilien und Kunst investieren, zeigt sich, dass viele dieser Milliardäre auch in politische Gremien einflussreich sind – sei es durch Stiftungen, die bestimmte Themen fördern, oder durch Spenden an Parteien, die ihre Interessen vertreten.
- Die drei reichsten Österreicher besitzen zusammen mehr als 10 Milliarden Euro Vermögen.
- Die Voestalpine ist mit einem Umsatz von über 20 Milliarden Euro (2022) nicht nur Österreichs größtes Industrieunternehmen, sondern auch einer der wertvollsten Konzern Europas.
- Durch M&A-Transaktionen haben sich in den letzten fünf Jahren über 50 Milliarden Euro an Wertschöpfung in österreichischen Unternehmen realisiert.
- Michael Untergasser von Rakuten Austria hat mit seinem Unternehmen den österreichischen Online-Markt um über 30 Prozent in den letzten fünf Jahren ausgebaut.
- Die Schwarzenberg-Familie hält mit ihren Immobilien und Kunstsammlungen ein Vermögen von über 2,5 Milliarden Euro.
Wie steuern sie die Wirtschaft von oben?
Milliardäre wirken nicht nur durch ihre Firmen, sondern auch durch ihre Netzwerke. Viele gehören zu den Gremien von Business Austria, der Dachorganisation der Wirtschaft, oder sind in Aufsichtsräten großer Banken wie der Raiffeisen oder der Österreichischen Volksbank vertreten. Doch ihr Einfluss reicht weiter: Durch private Stiftungen wie die Kaiserstuhl-Stiftung (gegründet von der Familie Schwarzenberg) fördern sie bestimmte Projekte – sei es in der Bildung, der Kunst oder der Infrastruktur. Diese Stiftungen haben oft eine starke politische Ausrichtung und können somit gezielt politische Entscheidungen beeinflussen.
Ein weiterer Hebel ist die Steuerpolitik. Während die meisten Unternehmen und Privatpersonen Steuern zahlen müssen, gibt es bei Milliardären oft Lücken. Laut Transparency International gibt es in Österreich noch immer Probleme mit der Transparenz von Vermögen und Einkünften – besonders bei ausländischen Unternehmen mit Sitz in Österreich. Das führt dazu, dass einige Milliardäre ihre Steuern in anderen Ländern optimieren, während sie in Österreich weiterhin einen hohen Einfluss auf Wirtschaft und Politik haben.
Warum ist ihr Einfluss so schwer sichtbar?
Ein Grund dafür ist die komplexe Struktur vieler Milliardär-Unternehmen. Viele Firmen sind in Familienbesitz oder durch Holdingstrukturen organisiert, die es schwer machen, die tatsächlichen Entscheidungswege zu erkennen. Zudem gibt es eine Lobbyismus-Kultur, die es den Milliardären ermöglicht, ihre Interessen direkt in den Gesetzgebungsprozess einzubringen. Während der Durchschnittsösterreicher über Steuern und Arbeitsbedingungen diskutiert, werden diese Themen oft hinter verschlossenen Türen entschieden – und die Folgen spüren alle.
Ein weiteres Problem ist die Medienberichterstattung. Während es in anderen Ländern wie den USA oder Großbritannien regelmäßig um die Macht der Milliardäre geht, wird in Österreich oft nur oberflächlich darüber berichtet. Die meisten Medien berichten über die Firmen der Milliardäre, nicht über ihre politischen Einflüsse oder wie sie die Wirtschaft lenken. Das führt dazu, dass die Öffentlichkeit oft nicht versteht, wie stark diese Gruppe wirklich auf unser Land einwirkt.
Doch es gibt auch Hoffnung: Immer mehr Menschen und Organisationen fordern mehr Transparenz und weniger Einfluss der Milliardäre auf die Politik. Initiativen wie OpenPandora oder Transparency International Austria kämpfen dafür, dass die Wirtschaft wieder fairer und demokratischer wird. mehr sehen


